Veranstaltung der Grünen am 12.01.2011 in Friedeburg, Deutsches Haus
Auf einer gut besuchten Veranstaltung der Grünen in Friedeburg standen drei Themen auf der Tagesordnung: Zum einen referierte die schulpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, Ina Korter, über die aktuelle Neuordnung der Schulstruktur in Niedersachsen. Zum anderen waren Mitglieder der Bürgerinitiative Lebensqualität Horsten, Etzel, Marx der Einladung der Grünen gefolgt, den aktuellen Sachstand zur Kavernenproblematik darzustellen. Des Weiteren war beabsichtigt, eine Ortsgruppe der Grünen in Friedeburg ins Leben zu rufen.
Neuordnung der Schulstruktur in Niedersachsen
Die Landesregierung beabsichtigt, eine weitere Schulform, die sogenannte Oberschule, in Niedersachsen einzuführen. Diese soll die bisherigen Haupt- und Realschulen zusammenführen, allerdings als Wahlmöglichkeit. Die Schulträger können selbst entscheiden, ob sie diese Schulform einführen wollen oder nicht. Die Grünen sehen hierin eine weitere Zersplitterung der Schullandschaft.
Nach Meinung der Grünen haben PISA und andere Studien belegt, dass das gegliederte deutsche Schulwesen sowohl in der Spitze als auch in der Breite zu schlechteren Ergebnissen führt als die integrativen Schulsysteme in Skandinavien. Die frühe Selektion in den Grundschulen führe zu einem massiven Druck auf die Schulkinder. Dazu komme, dass es bei den stark zurückgehenden Geburtenzahlen nicht mehr möglich sein wird, auch auf dem Lande flächendeckend alle Schulformen anzubieten. Dazu Ina Korter: „Wir Grünen setzen uns deshalb für eine Schule ein, in der die Kinder nach finnischem Vorbild neun Jahre gemeinsam lernen.“
Anders als in Skandinavien ist in Deutschland zur Zeit kein Konsens für ein flächendeckendes integriertes Schulsystem zu erreichen. Sowohl die Eltern als auch die Kommunen wünschen sich jedoch einen Kompromiss, der auch über Wahltermine hinweg Bestand haben kann, um Kontinuität für Kinder und Schulträger zu erreichen.
Ein Schulfrieden, der den Elternwillen berücksichtige, sei mit der Einführung der Oberschule nicht erreicht. Vielmehr müssten die Interessen aller Eltern anerkannt werden. Dazu gehören Eltern, die ihr Kind in eine integrative Schule schicken wollen, in der die Bildungswege der Kinder lange offen gehalten werden. Genauso gehören die Interessen der Eltern dazu, die ihr Kind auf ein Gymnasium schicken wollen.
Für Eltern, die ihre Kinder gerne auf Gesamtschulen, die ebenfalls zum Abitur führen, schicken wollen, müsse wohnortnah diese Schulform angeboten werden. „Die Hürden für die Errichtung von Gesamtschulen müssen fallen. Auch kleine Gesamtschulen können pädagogisch gute Arbeit leisten. Dafür gibt es genügend Beispiele“, sagte die Grünen-Politikerin.
Die Landesregierung hat die Hürden für die Errichtung von Gesamtschulen sehr hoch gesetzt. Wollen Eltern wohnortnah eine Gesamtschule, so muss diese fünfzügig, in begründeten Ausnahmen vierzügig sein. Ina Korter: „Die Landesregierung versucht hier aus ideologischen Gründen, die Einrichtung von Gesamtschulen zu behindern - trotz Elternwillen.“
In der anschließenden lebhaften Diskussion wurde von Teilnehmern unter anderem darauf hingewiesen, dass an Ganztagsschulen kein Weg vorbeiführe. Allerdings dürften die Nachmittage nicht zu „Verwahrstunden“ verkommen. Vielmehr müssten den Schülern kreative Aufgaben, Vertiefung, Hausarbeitshilfe, sowie weitere anspruchsvolle Tätigkeiten angeboten werden.
Auch Kinder aus sogenannten „bildungsfernen“ Elternhäusern müssten die Chance haben, ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Ein Staat wie Deutschland könne es sich nicht leisten, Bildungspotentiale brach liegen zu lassen. Auch diese Forderung wird von den Grünen unterstützt.
Aktueller Sachstand der Kavernenproblematik
Diskussionsleiter Jürgen Scheidweiler konnte dazu den Vorsitzenden der Bürgerinitiative Lebensqualität, Franz Kreuzburg, begrüßen. Kreuzburg gab den Anwesenden eine Übersicht über den derzeitigen Sachstand. Schwerpunktmäßig ging es dabei um die Problematik der Bodenabsenkung sowie um Geruchsbelästigungen durch die IVG.
Das Niedersächsische Wirtschaftsministerium veröffentlichte am 11. Nov. 2010 eine Stellungnahme von Minister Bode zu den Bodenabsenkungen. Hieraus geht hervor, dass die Senkungsmulde im Jahr 2044 eine Ausdehnung von ca. 5.400 – 6.600 m von Südwesten nach Nordosten und ca. 3.800 – 5.400 m von Südosten nach Nordwesten haben wird. Der tiefste Punkt des Senkungstrichters liegt nach der Prognose unmittelbar nördlich der Bundesstraße 436 zwischen den Ortschaften Horsten und Etzel. Die maximale Schiefstellung = Neigung soll im Jahr 2044 ca. 62,6 – 115 cm pro Kilometer betragen.
Nach Meinung der BI bedeute selbst diese optimistische Einschätzung gravierende Auswirkungen auf die Ortschaften Horsten und Marx. Hausabsenkungen, Leitungsbrüche, Entwässerungsprobleme und dergleichen seien unausweichlich. Haftungsfragen müssten dringendst geklärt werden.
Die neuesten Prognosen zur Bodenabsenkung sollen am 20. Januar im Kavernenbeirat öffentlich bekannt gegeben werden. „Man darf gespannt sein, was dort präsentiert wird, nachdem die IVG Aussagen zu diesem Thema so lange zurückgehalten hat“, meinte Kreuzburg.
Im letzen Quartal 2010 war es in mehreren Fällen zu einer starken Geruchsbelästigung vom IVG-Gelände gekommen, die bei etlichen Anwohnern zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen geführt hatten.
Auf allgemeines Unverständnis stieß in der Versammlung die Haltung einiger Friedeburger Kommunalpolitiker, die sich über die betroffenen Menschen lustig gemacht hatten.
Gründung einer Friedeburger Ortsgruppe der Grünen
„Klein, aber fein“, so bezeichnete ein Teilnehmer die Friedeburger Gründungs-Grünen.
Auf einen Vorstand sowie auf eine Ortssatzung wollen die Grünen vorerst verzichten. Per Akklamation wurden Horst Hattensaur aus Horsten sowie Jürgen Scheidweiler aus Friedeburg zu Ansprechpartnern benannt. Beschlossen wurde des Weiteren, öffentliche, monatliche Treffen abzuhalten, um Interessenten die Gelegenheit zum Meinungsaustausch zu geben. Einzelheiten sind auf der Webseite der Friedeburger Grünen: „www.gruene-wittmund.de/ov_friedeburg.html“ zu entnehmen.
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